All of HER

Mein Blog – über die Gefühlsachterbahn einer Frau die MOM ist.

Ein Satz der den Blickwinkel für immer verändert.

Es ist ein Dienstagabend. Kein normaler Dienstagabend, sondern, mein Dienstagabend. Ich bin nicht zuhause in meinem MOM-Alltag. Ich bin nicht zuständig für mein Kind. Nein ich bin mit meinem Girl in der Stadt. Wir haben uns getroffen zum Schlendern, Ratschen und was essen. Wir lieben beide gutes Essen, also ist klar wir gehen in einen richtig leckeren, guten Italiano. Einen in dem was los ist. In dem das Leben pulsiert. 
Ich war fast am Verhungern. Der Tag war schon lang. Und die Vorfreude auf diesen schönen Abend sehr groß. Und das Gefühl von Vorfreude macht mich immer so unfassbar hungrig. 
Naja, wie dem auch sei, landen wir in einem coolen Italiano an der Bar. Natürlich an der Bar. Da sahsen wir zwei auch schon immer, bevor ich ins MOM-Leben abgetaucht bin. Ich liebe den Vibe an der Bar. Da ist es immer so wuselig und lebhaft. Genau meins. Zudem lief auch noch richtig coole Musik. Was natürlich zur Folge hatte, dass ich auf meinem Barhocker rhythmisch zur Musik mitzappelte. Bei guter Musik kann ich nicht anders. Das fühl ich einfach. Wir bestellten ein schönes Glasrotwein und für mich einen Traubensaft auch im Rotweinglas damit ich mit cool sein konnte. Und Pasta und Salat to share. Liebe das an meinen Girls – da ist Essenteilen immer eine Grundvoraussetzung. Anders als bei meinem Boy. Da geht das nicht. Der bestellt lieber sein Teller Nudeln zweimal, bevor ich mit meiner Gabel ständig bei ihm drin häng. 
Und mhhhh die Pasta war lecker. Pomodori al Nonna mit einem Berg Parmesan. 
Unsere Gespräche wurden deep – ohne viel Schnickschnack waren wir gleich beim Hinsetzten schon wieder deep drin. Kennst du das? Es gibt so Menschen, mit denen führst du keinen oberflächlichen Small-Talk, sondern es sind immer Unterhaltungen mit Tiefgang oder absolutes Girli-Gealbere. 
Und doch habe ich irgendwann von meinem Tag erzählt und wie ich den Boys Daheim alles vorbereitet habe, damit es die beiden sich schön machen können und ich asap abhauen konnte. Und dann sind wir reingerutscht in das Rollenverhältnis bei uns zuhause. Ein Thema bei dem ich Stunden reden könnte. Und doch oft lieber schweige. Denn unsere Aufteilung bei uns zuhause ist total schambehaftet für mich. Es läuft so klassisch wie in einem Kitschroman aus der Nachkriegszeit in dem sie uns weiß machen wollen, wie erstrebenswert es ist, dass Hausmütterchen hinterm Herd zu sein. Kämpf ich doch so sehr für Gleichberechtigung und dass wir Frauen rauskommen aus dem alten Muster. Und doch funktioniert es einfach richtig gut so für uns. Denn es gibt uns die Freiheit, dass der Papa jeden Abend die Zeit, die er hat mit seinem Boy verbringen kann und ich in der Zeit Zeit für mich habe. Weil ich das Familienmanagement rocke, in der Zeit, in der der Boy für uns arbeitet. Und trotzdem muss ich mich aufregen, dass die wertvollste Arbeit aller Arbeiten auf dieser Welt einfach unbezahlt und hinter verschlossenen Türen stattfindet. Und doch sagte ich einen Satz, den ich immer in meinem Kopf mittrage. Für mich war er bis dato total negativ behaftet. Und ich habe mich selbst ganz oft dafür abgewertet. 
Weil sie mich fragte, wie ich das finde, dass der Boy arbeitet und ich die Carearbeit leiste. Meine Antwort war: Ich mach halt immer das Gleiche. 
Dann schaute sie mich an, mit ihren braunen Augen und sagte: Süße, ich mach auch immer das Gleiche. 
Bam… der traff mitten in mein Herz. Sie hat keine Kids. Einen coolen Job und genießt sich in ihrem Leben sehr. Damit du verstehst, dass ihr „ich mach immer das Gleiche“ nicht das „Gleiche“ wie meines ist. 
Und doch ist es das. Und ich habe noch nie so drüber nachgedacht. Klar hast du Projekte, Termine, Meetings what ever im täglichen Berufsleben. Und doch machst du immer das Gleiche. 
So wie ich. Ich habe mit dem kleinen Boy auch immer einen anderen Tagesablauf. Ausflüge, Waldspaziergänge, Waldspielgruppe etc. Und trotzdem mach ich jeden Tag das Gleiche. 
Und weißt du, was mir bei diesem Satz aufgefallen ist. Ich mag das, was ich jeden Tag mache, so gern. Weil ich die Freiheit habe, dass wir in jeden Tag einfach so reinleben können. Und ihn uns immer so gestalten können wie wir heute bock draufhaben. 
Das hat nichts damit zu tun, dass ich es gutheiße, wie Carearbeit Gesellschaftlich gesehen und nicht finanziert wird. Um es ehrlich zusagen, ich hasse es. Ich hasse es, dass niemand sieht, was wir MOMs leisten. Was wir vollbringen. Und nicht für uns. Sondern für unsere Kinder, die irgendwann die Träger dieses Systems werden. Des Systems in dem wir MOMs hinten runterfallen im großen Stil. 

Und doch hat mir dieser Blickwinkel gutgetan. Jetzt mach ich all das seit fast zwei Jahren. Und klar habe ich Tage, an denen ich gerne ins Büro fahren würde und 8 Stunden einfach nur arbeiten dürfte. 
Doch mein Leben ist nicht so monoton und pupsig wie ich dachte. Es ist jeden Tag das Gleiche. Und doch ist jeder Tag ganz anders. Nicht so frei und flowig wie davor. Aber nicht so Fremdbestimmt wie ein Job für jemanden anderen. Den ich womöglich nicht einmal mag. Denn meine Fremdbestimmung kommt von meinem Babyboy den ich liebe. Ist somit deutlich leichter anzunehmen. Manchmal. Manchmal auch nicht. 

Ist es nicht manchmal der Ausdruck unserer Gefühle, der uns MOMs am meisten helfen würde?

Ich sitz in einem Kreis voller MOMs. Jede MOM hat ihr kleines Baby dabei. Wir sind hier, um uns als MOMs ein kleines Netzwerk aufzubauen. Um uns auszutauschen und um auch einfach mal andere vier Wände als die eigenen zu sehen. Ich hab für mich festgestellt, ich mag solche Veranstaltungen nicht. Es wirkte immer so erzwungen und ich hab mich gefühlt wie ein Alien da drin. Aber um mich soll es hier jetzt nicht gehen. Sondern um den Fakt – dass der Ausdruck unserer Gefühle uns MOMs am meisten helfen würde. Ich sag dir auch warum ich das denke. Und es ist schon kein Gedanke mehr, es ist eine tiefe Überzeugung. Ich sahs wie oben beschrieben im Kreis der Frauen mit ihren Babys vorne dran. Links neben mir sitz eine bildschöne Frau. Ganz weiche Haut. Braune schöne lange Haare. Ihr Baby zuckersüß. Wir kommen ins Reden – dafür waren wir ja schließlich da. Und sie sagt den einen Satz und ich spür genau, sie fühlt was ganz was anderes. „Mama sein ist schon schön. Bis auf die Geburt. Aber ist egal, Hauptsache er ist gesund“. Ich schau sie an. Ich hör, was sie sagt. Aber in meinem Herzen kommt was anderes an. In meinem Herzen kommt an: „Die Geburt war so schlimm. Und es fällt mir so schwer in der Mama-Rolle anzukommen. Jeden Tag ist diese scheiß Geburt präsent“.Aber sie sagt es nicht. Sie fühlt es nur und wahrscheinlich traut sie sich es noch nicht mal wirklich zu Ende zu fühlen oder zu denken. Schließlich ist gesellschaftlich doch das Wichtigste „Hauptsache das Kind ist gesund“. Die Wahrheit, die sie sich da zurecht spinnt, hilft ihr nicht. Es macht sie innerlich nur taub. Für das, was ihr Schlimmes unter Geburt widerfahren ist. Irgendwann wird sie dieser Schmerz einholen. In Form von Kraftverlust, Ausgelaugtheit, nicht mehr können wollen, alles zu viel. Alles zu laut. Da kommt kein Gefühl hoch von – Hallo ich bin hier, weil du mich nach der Geburt nicht gefühlt hast. Nein so läuft der Hase hier leider nicht.


Das ist erstmal garnicht das, was ich sagen wollte. Und irgendwie ist es das schon. Denn hätte sie damals einen ehrlichen Satz gesagt, der der ihre Gefühle wiedergespielte hätte. Dann hätte ich an ihr andocken können. Weil ich sie gefühlt hätte. Ich hätte ihr zugehört. Hätte sie vielleicht umarmt und ihr einen dieser schlechten Filterkaffes geholt die es da gibt. Ich hätte ihr für einen Moment ihr Kind abgenommen, sodass sie mal wirklich weinen hätte können. Und sich dann das Gesicht mit kaltem Wasser abwaschen. Einen Moment sie – durchatmen. Und fühlen, wie es sich anfühlt, wenn das, was auf der Seele liegt mal Raum bekommt und raus darf. Aber nachdem sie ihre Gefühle zurückgehalten hat, habe ich nicht andocken können. Ich habe sie einfach nicht gefühlt mit ihren Worten. Und so ist unser Gespräch recht schnell im Sand verlaufen. Dabei hätte der Moment ein Schlüsselmoment für die werden können. Sie hätte gefühlt wie gut es tut, die Maske fallen zulassen. Ich hätte ihr erzählen können, dass auch bei meiner Geburt Dinge passiert sind, die mir nicht gut getan haben. Vielleicht hätte sich noch eine andere MOM angeschlossen. Die Türen öffnen sich, wenn wir Gefühle dasein lassen. Aber wenn wir uns das nicht erlauben. Weil wir es nicht kennen, weil wir glauben das nicht zu dürfen. Weil wir glauben als MOM müssen wir stark sein und dürfen keine Gefühle zeigen, schon garkeine die unser MOM-Dasein anzweifeln. Dann bleibt die Tür zu. Die Tür zu dir selbst. Denn die Tür zum eigenen Gück geht nach innen auf. 

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